Rundbriefkasten

Der Dieb beim Mystiker

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„Ein Dieb schlich sich eines Nachts in die Hütte eines
Mystikers. Es war
gerade Vollmond und eigentlich
warer aus Versehen in diese Hütte
geraten.
ansonsten … was gibt es bei einem Mystiker
schon zu stehlen?
Der Dieb schaute sich um
und war überrascht, wie leer alles war. Plötzlich
sah er einen Mann,der mit einer Kerze in der Hand
daherkam. Der Mann
sagte: „Was suchst du hier im
Dunkeln? Warum hast du mich nicht geweckt?
Ich
habe nahe bei der Tür geschlafen und hätte dir
das ganze Haus zeigen
können.“ Und dabei
sah er so einfach und unschuldig aus, als
könnte er
sich überhaupt nicht vorstellen,
einen Dieb vor sich zu haben. Beim
Anblick
solcher Einfachheit und Unschuld sagte der Dieb:
„Weißt
du etwa nicht, dass ich ein Dieb bin?“

Der Mystiker meinte: „Das macht nichts, jeder muss
schließlich irgend etwas sein. Die Sache ist nur … ich lebe
seit
dreißig Jahren in diesem Haus, und ich habe noch nie
etwas gefunden.
Wir können ja zusammen suchen! Und wenn
wir etwas finden, können wir
es uns teilen. Ich habe in diesem
Haus nichts gefunden, es ist leer.“ Der Dieb
bekam es mit
der Angst zu tun – der Mann schien etwas merkwürdig zu
sein,
Entweder ist er verrückt oder … wer weiß, was das
für ein Mann ist? Er
wollte davonrennen, außerdem
hatte er draußen noch ein paar Sachen
liegen
lassen, die er in anderen Häusern gestohlen hatte.

Der Mystiker besaß nur eine Decke – das war alles, was er
hatte – und die Nacht war kalt. Daher sagte er zu dem Dieb:
„Gehe so
nicht fort, beleidige mich nicht. Ich könnte es mir
nicht verzeihen, dass ein
armer Mann, der mitten in der Nacht
in mein Haus kommt, mit leeren Händen
wieder fortgehen müsste.
Hier, nimm diese Decke. Sie wird dir nützen,
denn draußen
ist es kalt. Ich bin im Haus, hier ist es wärmer.“

Und er legte dem Dieb die Decke um. Jetzt begann
der Dieb völlig
den Verstand zu verlieren! Er rief:
„Was tust du da? Ich bin doch ein Dieb!“

Der Mystiker antwortete: „Das macht nichts. Auf
dieser Welt muss jeder
irgendetwas sein, irgendetwas tun.
Du stiehlst vielleicht, aber was
macht das schon? – ein Beruf ist
ein Beruf. Hauptsache du
machst deine Sache gut, meinen
Segen hast du. Leiste gute
Arbeit und lass dich nicht
erwischen, sonst ergeht es dir schlecht.“

Der Dieb sagte: „Du bist merkwürdig.
Du bist nackt und hast gar nichts …“

Der Mystiker meinte: „Mach dir keine Sorgen,
ich komme mit dir! 
Mich hat nur die Decke noch
im Haus gehalten, ansonsten gibt
es hier nichts – und
die Decke hast du jetzt. Ich komme mit
dir mit, wir werden
zusammen leben! Und du scheinst viele
Dinge zu besitzen,
das wird eine gute Partnerschaft. Ich habe dir mein ganzes
Hab und Gut gegeben, du kannst mir etwas von
deinen
Sachen abgeben – das wäre gerecht.“ Der Dieb konnte
es nicht
glauben. Er wollte nur noch weglaufen
von diesem Haus und diesem Mann.
Er sagte:
„Nein, ich kann dich nicht mitnehmen. Ich habe
Frau und Kinder.
Und was werden die Nachbarn sagen,
wenn ich einen nackten Mann
mitbringe?“ Der Mystiker
sagte: „Du hast recht. Ich will dich nicht
in Verlegenheit
bringen. Geh nur, ich bleibe hier in diesem Haus.“
Als der Dieb fortging, rief ihm der Mystiker nach:
„He, komm
zurück!“ Der Dieb hatte noch nie eine so
kraftvolle Stimme
gehört, sie durchfuhr ihn wie ein Messer.
Er musste zurückgehen.
Der Mystiker sagte: „Du solltest
etwas Höflichkeit lernen. Ich habe
dir die Decke gegeben,
und du hast mir nicht einmal gedankt.
Bedanke dich
gefälligst zuerst – das wird dir später helfen.

Zweitens, wenn du weggehst, mach die Tür zu! Siehst
du denn nicht, dass es kalt ist und ich nackt bin? Dass
du ein Dieb bist, macht mir nichts aus, aber was Höflichkeit
angeht, da bin ich genau. Dieses Benehmen kann ich nicht
zulassen.
Sage danke!“ Und der Dieb musste danke sagen,
dann schloss er die Tür
und lief davon. Unglaublich,
was da geschehen war! Die ganze Nacht
lang konnte
er nicht schlafen. Immer wieder musste er daran

denken. Noch nie hatte er eine so starke Stimme gehört,
eine solche Kraft. Und dabei besaß der Mann nichts!

Am nächsten Tag erfuhr er, dass dieser Mann ein 
großer Meister war. Er hatte einen Fehler
begangen. Es war sehr hässlich von ihm,
bei diesem armen Mann einzudringen. Er
besaß nichts, aber er war ein großer Meister.

Der Dieb sagte: „Jetzt verstehe ich. Er ist ein sehr
merkwürdiger Mann. Ich habe in meinem Leben schon
viele
Menschen gesehen, von den ärmsten bis zu den reichsten,
aber
noch nie … wenn ich nur daran denke, läuft mir noch ein
Schauer
über den Rücken. Als er mich zurückrief, hätte ich
weglaufen können.
Ich war völlig frei, ich hätte meine
Sachen nehmen und weglaufen
können, aber ich
brachte es nicht fertig. In seiner Stimme

war etwas, das mich zu ihm zurückzog“.

Einige Monate später wurde der Dieb
festgenommen und
der Richter fragte ihn:
„Gibt es jemand in deiner
Nachbarschaft, der dich
kennt?“ Er antwortete: „Ja, einer
kennt mich“
– und er nannte den Namen des Meisters.

Der Richter sagte: „Das genügt – ruft den Meister her.
Seine
Stimme wiegt;soviel wie die von zehntausend anderen.
Was er
über dich sagt, reicht mir, um ein Urteil zu fällen.“
Der Richter fragte
den Meister. „Kennst du diesen Mann?“
Er sagte: „Ob ich ihn kenne? Wir
sind Partner! Er ist mein
Freund, einmal hat er mich sogar mitten in
der Nacht besucht.
Und weil es so kalt war, gab ich ihm meine
Decke. Er hat
sie um, siehst du? Diese Decke ist im ganzen
Land
bekannt, jeder weiß, dass sie mir gehört.“

Der Richter sagte: „Er ist dein Freund? Und er stiehlt
nicht?“ Der
Meister sagte: „Nie! Er kann gar nicht stehlen.
Er ist so ein Gentleman,
dass er sich bedankte, als ich ihm
die Decke gab. Und als er ging, schloss 
er vorsichtig die
Türe hinter sich. Er ist ein sehr höflicher, netter Bursche.“

Der Richter sagte: „Wenn du das sagst, dann sind die
Aussagen der
anderen Zeugen, die behaupten, er sei
ein Dieb, hinfällig. Er ist frei.“
Der Mystiker ging hinaus,
aber der Dieb folgte ihm. Der Mystiker
sagte zu ihm:
„Was soll das? Warum kommst du mir nach?“

Er antwortete: „Ich kann dich jetzt nie mehr verlassen.
Du hast mich deinen Freund genannt, deinen Partner. Niemand
hat mir jemals solchen Respekt erwiesen. Du bist der erste Mensch,
der gesagt hat, ich sei ein Gentleman, ein netter Mensch.
Ich werde zu deinen Füßen sitzen und lernen“

Quelle:
Beyond Psychology, #37
Osho Foundation International

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