Rundbriefkasten

Da ich in Oberndorf arbeite …

2 Kommentare

…. dachte ich mir, ich müsste mal Heckler & Koch besuchen,
Deutschlands tödlichstes Unternehmen.

 

an:
hkinfoboard@heckler-koch-de.com
Friede
Friede
Sehr geehrte Damen und Herren von HK

Heute bei schönstem Mittagswetter setzte ich mein Vorhaben
um und spazierte um Ihr weitläufiges Firmengelände. Mit Ihren
vielen Kameras sahen Sie mich – doch sahen Sie mich? Ich erzähle
Ihnen von mir. Ich sandte Friedensgedanken ins feinstoffliche
Feld, ich betete um Frieden. Ob`s was brachte? Ich weiß es
nicht. Einige Ihrer Mitarbeiter traf ich – man begrüßte sich
freundlich mit „Mahlzeit“. Ich dachte an Hannah Arendts
Banalität des Bösen …

Beim Laufen, Grüßen und Friedensenergie-Senden kam mir die
Idee, dass ich doch einmal pro Monat am Eingangstor stehen
könnte – mit einem/einer Bekannten – mit einem Friedensplakat.
! ~  Das wäre echt stark  <~
Doch sogleich fiel mir ein, dass ich an einer staatlichen Schule
in Oberndorf arbeite und auch zukünftig das Schulamt als
potentiellen Arbeitgeber haben möchte – und verwarf
schnurstracks mein Vorhaben. Auch ich bin korrupt und
ziehe Bertolt Brechts Fressen der Moral vor …

Am Ende meines Spaziergangs stieg eine Frau aus einem Auto
aus und fragte nach dem Eingang, da sie ein Bewerbungsgespräch
habe. Ich wies ihr den Weg und sagte sonst nichts zu ihr.

Jetzt wissen Sie besser, wen ihre Kameras aufzeichneten.

Mit freundlichem Gruß
Andreas Straubinger

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2 Kommentare zu “Da ich in Oberndorf arbeite …

  1. Lieber Andreas,

    Deine Gedanken kann ich vollumfänglich nachvollziehen. Ich persönlich hätte die Anonymität des Moments genutzt und wenigstens die Bewerberin mit lapidar dahin gesagten Worten ins Grübeln gebracht. Z. B. ein freundliches Gesicht, ein Lächeln und ein leises „Ich hoffe Sie wissen, was Sie tun.“

    Viele Grüße
    Christoph

  2. Sehr gut! Mutig, offen, ehrlich! Ich finde es gut, dass du die Bewerberin nicht weiter angesprochen hast. Und dass du überhaupt dort warst und gebetet hast, auch wenn dein Brief sicher nicht wirklich aufgenommen wurde von den Adressaten. Du hast das deine getan; die andern kannst du nicht ändern.
    Vielleicht werde ich mir auch einmal das Gelände näher anschauen und dieses Stück Erde berühren, mit ihm sprechen.

    Herzlich
    Adelheid

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