Rundbriefkasten

Die Idee einer Friedenssteuer

3 Kommentare

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Ein Gastbeitrag von Brigitte.

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oooo oo ooooooo oo oooo ooooooooNürnberg, den 22.9.17


Hallo!

Andreas hat mich gebeten, einen Beitrag für diesen Blog zu schreiben.
Kennen gelernt haben wir uns im Juli in Büchel/Eifel beim Demonstrieren
gegen die Lagerung von Atomsprengköpfen in Deutschland.
Ich heiße Brigitte Janus, bin 66 Jahre alt, Ärztin und gehöre dem
Netzwerk Friedenssteuer an. Seit 26 Jahren verweigere ich die
Steuerzahlung für Militär und Rüstung und werde vierteljährlich
gepfändet, da ich selbstständig bin.
Ich bin eine von 10 Klägerinnen und Kläger gewesen, deren
Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in
Karlsruhe nicht angenommen 
wurde.


Zwei Fragen beschäftigen mich:

  • Wie schaffen wir es, unsere Angst zu überwinden?
  • Warum glauben wir an Sicherheit durch Gewalt?


Angst ist ein existentielles Gefühl, eine ständige Begleiterin,
die uns oft schützt, aber auch einengt und uns von anderen
Menschen trennt, ja sie zu Feinden macht. Angst ist mit
rationalen Argumenten nicht beizukommen.
In meiner Arbeit begegne ich ängstlichen Menschen.
Ich sage dann, dass keine Erklärung meines Vorgehens – obwohl
dies natürlich erfolgt – die Angst auflösen kann, sondern nur das
Vertrauen meines Gegenübers in das eigene Potential und in mich.
Es spielt sich auf einer tieferen Ebene als auf der Verstandesebene ab.
Es ist verknüpft mit der Aufgabe von Kontrolle und dem tiefen
Vertrauen, dass mein Vorgehen hilfreich und sinnvoll ist.
Um die Angst zu überwinden, bitte ich mein Gegenüber laut zu sich
zu sagen: Ich habe Vertrauen. Ich schaffe das. Ich habe schon so vieles
im Leben geschafft. (Angela Merkel muss das von mir geklaut haben).
Das Gefühl des Ausgeliefertseins steht dann nicht mehr im Mittelpunkt,
sondern der Fokus kann sich zu den inneren Quellen, zur eigenen Kraft
hinwenden. Es befähigt, die drei instinktiven Reaktionen unseres
Reptilienhirns – erstarren, angreifen oder fliehen – zu überwinden.
Wir gewinnen inneren Raum, können durchatmen, Herz u n d Verstand
miteinander verbinden und dann handeln.

 

Es gibt individuelle und kollektive Ängste – unbewusste und bewusste….
Auf dieser Klaviatur haben Politik und auch Religionen schon immer gespielt.
Das Bedürfnis nach Sicherheit ist uns angeboren.
In der Menschheitsgeschichte wurde zur Beruhigung der vorher
geschürten Ängste so gut wie immer Gewalt angewandt. So konnten
Menschen im Sinne der Herrschenden manipuliert und die
Machtinteressen durchgesetzt werden. –

 

Es ist für die meisten Menschen einfach nicht vorstellbar, dass
Konflikte, die es immer geben wird, anders als mit Gewalt ´gelöst´
werden können.  Gewalt ist ein Ausdruck der Ohnmächtigkeit.
Um das Leiden zu beenden –  Da muss doch endlich Schluss damit
gemacht werden! – schlagen wir uns auf eine Seite. Die ´Guten´
kämpfen gegen die ´Bösen´. Und es ist klar, dass sich so die Spirale
der Gewalt fortsetzt, denn es gibt am Ende immer einen Gedemütigten
und einen Sieger. Hass und der Wunsch nach Vergeltung schwelen weiter…

 

Die gewaltfreie Konfliktlösung bedarf unermüdlicher Anstrengung – um eine
Lösung muss gerungen werden. Niemand weiß zu Beginn die Lösung. –
Darauf werden wir nicht vorbereitet. Gewaltfreie Konfliktlösung, wie
beispielsweise die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg,
ist kein Unterrichtsfach. Systemisches Konsensieren ist nicht bekannt.

 

Krieg ist nur die Spitze des Eisberges Gewalt. Wir haben blinde Flecken:
Gewalt 
beginnt in der Sprache, in der Erziehung, in unserer Beziehung
und dem Umgang mit den Mitgeschöpfen, den Pflanzen und Tieren
und der Erde, die uns doch das Leben ermöglichen ; sie ist am Werk
in unserem kapitalistischen Weltwirtschaftssystem.
Der norwegische  Friedensforscher Johan Galtung führte den Begriff
der strukturellen Gewalt ein und definierte sie so:
Strukturelle Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung
grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder allgemeiner
ausgedrückt  des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung
unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist.

Das ist sehr sachlich ausgedrückt. Unser Wirtschaftssystem hat mehr
Menschen 
getötet als kriegerische Auseinandersetzungen. In jeder
Sekunde verhungern 
und verdursten Menschen, sterben an behandelbaren
Erkrankungen, werden versklavt, missbraucht, ausgebeutet…..


Wir leben in dieser Wirklichkeit und verdrängen sie, weil wir uns
ohnmächtig fühlen, etwas daran zu ändern.
Eva Hartmann ( BWL-Professorin) hat den Bestseller geschrieben:
Wie viele Sklaven halten sie? Und auf slaveryfootprint.org können wir
die Anzahl der 
Menschen ermitteln, die für uns schuften.


Viele Menschen im Westen suchen in materiellen Gütern Sicherheit.
Je mehr, desto besser….Und dementsprechend wächst die Angst vor
Armut, vor dem Teilen. Frieden ist ohne Gerechtigkeit nicht zu
bekommen. Wir haben vergessen, dass Geld nur ein Mittel zum
Zweck ist. Nicht Geld, sondern Beziehungen schenken Sicherheit,
Sinn, Freude u n d Konflikte. Verbundenheit mit der Natur lehrt
uns Staunen und Demut.


Politik ist nichts anderes als Verteilen von begrenzten Ressourcen.
Die Prioritäten der Regierenden kann ich sehr genau im Bundeshaushalt
studieren. Sicherheit mit/durch Gewalt wird nicht in Frage gestellt!
Für mich ist es ein Skandal, ein Verbrechen, dass Milliarden Euro
in Destruktion wie Rüstung und Militär investiert werden! Diese
Milliarden Euro für den ´Verteidigungshaushalt´ fehlen der
Gesellschaft an allen Ecken und Enden!


Dieses Handeln vergiftet unsere Seelen: Drohung und Abschreckung
ist die entsprechende innere Haltung. Wir können nicht auf der einen
Seite junge Menschen zum Töten ausbilden, Mensch und Natur
zerstörende Güter produzieren und gleichzeitig konstruktiv sein,
das heißt dem Leben dienen. –


Ich kann mich selbst prüfen und fragen:

  • Wofür habe ich Zeit und wofür gebe ich Geld aus?
  • Wovor habe ich Angst? Was lähmt mich?
  • Auf wen oder was vertraue ich? Was gibt mir Sicherheit?
  • Woraus schöpfe ich Kraft, um gegen den Strom zu schwimmen?


Wir vertreten im Netzwerk Friedenssteuer die Forderung:
Niemand darf gegen sein Gewissen gezwungen werden, durch Steuern
und Abgaben zur Finanzierung von Militär und Rüstung beizutragen.
Wir treten für die Einführung eines Zivilsteuergesetzes ein.

Schaut doch mal auf die Website :
http://www.netzwerk-friedenssteuer.de

Auf you tube gibt es einen informativen achtminütigen Film:
Friedenssteuer Militärsteuerverweigerung
und eine sehr verständliche Erklärung von Ulla Klotz:
Umsteuern! Steuern für zivile Zwecke statt für Rüstung und Militär.

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Es grüßt Euch
Brigitte aus Nürnberg

E-Mail-Adresse: b.janus@mnet-mail.de

 

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3 Kommentare zu “Die Idee einer Friedenssteuer

  1. Wunderbar geschrieben. Eine ganze lebensfreundliche Haltung in so wenigen Worten ermutigend zu beschreiben ist eine Meisterleistung. Und dass „Brigitte aus Nürnberg“ nicht nur denkt, sondern auch handelt, habe ich in der Begegnung in Büchel mit ihr erlebt.

  2. warum wendest Du Dich nicht wegen solcher eklatanter rechrsangelegenehiten an Alexander E. Schröpfer, Jurist und erfahren mit dem MenschenRecht, siehe hier. http://www.bewusstscout.de

  3. Danke – habe Herrn Schröpfer angeschrieben.

    .

    Nachtrag:
    Dies seine knappe Antwort:
    „Steuer ist keine Lösung“

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