Rundbriefkasten

Das Wertequadrat

Ein Kommentar

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SCHERE UND NADEL
Ein König besucht den Weisen Farid. Als Gastgeschenk
bringt er eine goldene, mit Diamanten besetzte Schere
mit – eine kostbare Gabe. Der König verneigt sich vor
Farid und reicht ihm die Schere. Farid schaut sie sorgfältig
an und gibt sie dem König zurück: „Herr, ich danke dir für
dein Geschenk. Ich weiß, es ist kostbar, aber ich kann es
nicht brauchen. Viel schöner wäre es, du gäbest mir nur
eine einfache Nadel.“ Der König: „Das verstehe ich nicht.
Nadeln sind nicht wertvoll. Und wenn du eine Nadel
brauchst, dann brauchst du auch eine Schere.“ Darauf
Farid: „ Scheren schneiden die Dinge entzwei. Eine Nadel
aber näht sie zusammen. Ich lehre Liebe. Und Liebe will
zusammenfügen, nicht entzwei schneiden.“

Quelle
h

Der Artikel vom letzten Monat stellte die These auf,
dass die 
scheinbar bösen Extreme nicht böse seien. Sie
sind lebensnotwendig, 
spannen sie doch einen Raum aus,
in den hinein sich die Lebensfäden 
zusammenspinnen
und verweben können. Für sich allein 
genommen mag
ein Extrem vielleicht doch böse sein ~ ? ~ da 
lebensfeindlich,
doch ihr Zusammenspiel ermöglicht erst das 
Lebensspiel.
Sonne und Regen z. B. werden als gegensätzliche Elemente 
wahrgenommen und sind im Übermaß schädlich – doch im
Zusammenspiel kann sich ein Regenbogen zeigen.


Dieser farbenfrohe Himmelsbogen, welcher verschiedene
(Stand-)Punkte 
verbindend überbrückt, gilt als göttliches
Symbol. 
Aus diesem Seinszustand sind wir „vertrieben“, seit
wir durch den Baum der Erkenntnis 
Gut und Böse „sehen“.

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In diesem Gut-böse-Bewusstsein steht man selbst meistens
auf der moralischen Seite und
somit scheinbar im Recht,
den
Anderen abzuwerten bzw. sogar zu bekämpften.


Zwei Seinsweisen stehen uns zur Auswahl. Die verbindende
Polarität und die trennend wirkende Dualität. Von zweiterem
ist die Welt übervoll und ersteres erscheint mir als eine
wertvolle Kunst, welche ich gerne vermehrt lernen und
anwenden möchte. 
Eine Hilfe hierfür könnte das
Wertequadrat
nach Helwig / Schulz von Thun sein. Anhand
des Autofahrens möchte ich diese Denkfigur vorstellen.

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Quelle

„Bremsen“ alleine würde zu einem unguten Extrem führen und
braucht deshalb als Ausgleich das „Gas geben“. Auch das
„Gas geben“ braucht die entgegengesetzte Tugend, um nicht
in die Übertreibung abzugleiten. Durch das situationsgerechte
Zusammenspiel findet erst ein vernünftiges Fahren statt.


Machen wir ein zweites Beispiel, wie das Wertequadrat genutzt

werden kann und nehmen mal die „Freundlichkeit“ unter die Lupe.

faden-201100278759

Freundlichkeit kann zu übertriebener Schmeichelei führen.
Welche Schwestertugend könnte das In-den-Arsch-Kriechen
verhindern? 
„Ehrlichkeit“, schlage ich vor. Auch die
unausbalancierte Ehrlichkeit kann zuviel des Guten sein
und unhöflich werden. Ausbalanciert wird sie wiederum
von der „Freundlichkeit“. Durch das Zusammenspiel der
Gegensatz-Qualitäten kann sich in unserem Beispiel eine

glaubwürdige, da authentische Freundlichkeit entwickeln.

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Ein Kommentar zu “Das Wertequadrat

  1. Hallo Andreas,

    danke für diesen Beitrag!
    Ich finde ihn positiv zuträglich inspirierend.

    Mit ehrlich freundlich feindlichen und herzlichen Grüßen
    vom
    D00fmann stefan

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