Rundbriefkasten


Ein Kommentar

Sich verbessern ?

 

Hallo mein Freund

Es ist ein wunderlich Ding: Ich stecke viel Zeit
und Arbeit hinein, mein Schachspiel zu verbessern.
Du trainierst nicht extra – und wirst doch in Deinem
Spiel gegen mich zunehmend besser & erfolgreicher.

Als Leser meiner Artikel ist es Dir bekannt, dass ich
gerne Spannungen aufbaue und unaufgelöst lasse. So
auch heute mit einem Zitat von Osho (The Pathless
Path) über die Kehrseite des Sich-Verbesserns:

Ihr mischt euch in das Leben
eurer Kinder ein, ihr mischt euch
in das Leben eurer Frau, eures Mannes,
eures Bruders,  eures Freundes, eurer Geliebten
ein. Das geht aber nur solange, wie man glaubt,
ihnen mit so einer Einmischung helfen zu
können. Dabei verkrüppelt man sie!  Für
diese eure Art der Einmischung  haben die Zen-Leute
genau den richtigen Ausdruck gefunden, nämlich dass
man damit „einer Schlange Schuhe anzieht“. Ihr
wollt jemandem helfen, ihr gebt euch die
größte Mühe, tut ein gutes Werk – und
zieht einer Schlange Schuhe an! Und
ihr denkt euch dabei: „Wie kann man
diese Schlange auch ohne Schuhe
losziehen lassen! Wo doch überall
Gefahren lauern, die Straßen voller
Schlaglöcher sind und es von Dornen
wimmelt. Das Leben ist voller Dornen, also
lasst uns der Schlange helfen – ziehen wir ihr
einfach Schuhe an!“ Damit bringt ihr die Schlange
nur um.  Hierauf laufen alle eure Bemühungen hinaus,
das Los anderer Menschen zu verbessern. Aber das
könnt ihr natürlich nur, wenn ihr euch selbst verbessern
wollt – dann werdet ihr auch andere verbessern wollen.
Dann steckt ihr andere mit eurer eigenen Krankheit
an. Sobald du aufhörst dich selbst
zu verbessern
… sobald du dich so akzeptierst, wie du bist
,
ohne Bedingungen, ohne Groll,
ohne Klage,
sobald du anfängst dich
selbst so zu
lieben, wie du
bist, lässt du auch die 
Finger davon, dich einzumischen.

 

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Angriffe ~ Aufgeben

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Seit April greife ich an. Mit vollem Einsatz
spiele
ich grad jeden Tag Schach.

https://www.schacharena.de/
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(…) Passive Aggression, Rückzug und ein Verhalten,
das andere Menschen zum Opfer macht, sind ebenfalls
Formen von Angriff. Dein Angriff mag auf einen Menschen
gerichtet sein, aber er trifft alle. Alle Dinge und alle
Menschen sind miteinander verbunden. (…) Dein Angriff
greift alle anderen Menschen und dich selber
an. Ich habe
Menschen dazu gebracht, ihren Selbstangriff
aufzugeben,
als sie erkannten, welche Auswirkungen er
auf ihre Kinder
hat. Ich konnte auch zeigen, dass die Wut,
die man auf
einen anderen Menschen richtet, eine äußerst
schädliche
Wirkung auf den eigenen Partner hat. Emotionen

existieren in einem vereinten Feld. (…) Es ist an der
Zeit,
allen Angriff und jeden Groll aufzugeben.

Chuck Spezzano: Die Sprache des Herzens, S. 105


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Wellentanzen

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Seit Monaten tanze ich auf vielen Hochzeiten
gleichzeitig, gebe Gas. Habe kaum Phasen
des Atmens, des Freiseins. So träume ich, mal
wieder zum Wave-Tanzen gehen zu können.

Aus der Ruhe dort, des Spürens und
Fließens lauter werden – dynamischer werden.
Es zum Wellenkamm steigern, Gas geben; das Chaos
toben, den
Kopf und die gestauten Gefühle freitanzen. In
dieser Freiheit genießen, spielen, das Leben feiern.
Schließlich ebbt die innere Welle wieder ab, in
die Ruhe, in die Entspannung.

So freue ich mich gerne auf die nächste Welle.

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Die Tanzenden wurden für verrückt
gehalten von denjenigen, die die
Musik nicht hören konnten.
Friedrich W. Nietzsche

 

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Nachtrag
Hab in meinen e-Mails Ronnys 2020-er Flyer gefunden:

 

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Zum neuen Jahr(zehnt)

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Und hier brannte mich plötzlich wie eine scharfe
Flamme die Erkenntnis: Es gab für jeden ein „Amt“,
aber für keinen eines, das er selber wählen, umschreiben
und beliebig verwalten durfte. Es war falsch, neue Götter
zu wollen, es war völlig falsch, der Welt irgendetwas
geben zu wollen! Es gab keine, keine, keine Pflicht
für erwachte Menschen als die eine: sich selber
zu suchen, in sich fest zu werden, den eigenen
Weg vorwärts zu tasten, einerlei wohin er führte.

Das erschütterte mich tief, und das war die Frucht
dieses Erlebnisses für mich. Oft hatte ich mit Bildern
der Zukunft gespielt, ich hatte von Rollen geträumt,
die mir zugedacht sein könnten, als Dichter vielleicht
oder als Prophet, oder als Maler, oder irgendwie.  All
das war nichts. Ich war nicht da, um zu dichten, um zu
predigen, um zu malen, weder ich noch sonst ein
Mensch war dazu da. Das alles ergab sich nur nebenher.

Wahrer Beruf für jeden war nur das eine: zu sich selbst zu
kommen. Er mochte als Dichter oder als Wahnsinniger,
als Prophet oder als Verbrecher enden – dies war nicht
seine Sache, ja dies war letzten Endes belanglos. Seine
Sache war, das eigene Schicksal zu finden, nicht ein
beliebiges, und es in sich auszuleben, ganz und
ungebrochen. Alles andere war halb, war Versuch
zu entrinnen, war Rückflucht in Ideale der Masse,
war Anpassung und Angst vor dem eigenen Innern.
Furchtbar und heilig stieg das neue Bild vor mir auf,
hundertmal geahnt, vielleicht oft schon ausgesprochen,
und doch erst jetzt erlebt. Ich war ein Wurf der Natur, ein
Wurf ins Ungewisse, vielleicht zu Neuem, vielleicht zu Nichts,
und diesen Wurf aus der Urtiefe auswirken zu lassen, seinen
Willen in mir zu fühlen und ihn ganz zu meinem zu machen,
das allein war mein Beruf. Das allein!

Hermann Hesse: Demian, Kapitel 6

Quelle

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