Rundbriefkasten


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Humanität …

… dürfe man nicht predigen, sagt Levinas,
man müsse sie auf sich nehmen. Inmitten der Trümmer,
die von den großen Glücksversprechungen übriggeblieben sind,
muss jeder selbst anfangen. Der Krieg aller gegen alle kann für
Levinas nur durchbrochen werden durch den geduldigen
Aufenthalt im Hier und Jetzt. Durch den selbstlosen Verzicht,
das gesteckte Ziel um jeden Preis erleben zu wollen. Es gebe
keine Garantie, kein Prinzip Hoffnung,  sondern nur die
unbedingte Verantwortung für den Anderen und die
Pflicht, aus seiner Selbstzufriedenheit zu erwachen.

zitiert aus Minute 38:
Liebesweisheit. Emmanuel Levinas – Der Philosoph des Anderen.

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Kann es Ostern werden?

21

21. Jh.  / EUDSSR

Die Werte des Rechtsstaats, der Demokratie, der Gerechtigkeit, des Friedens usw.
werden zunehmend dem Geld nachgeordnet, siehe aktuell Jefta.

 

1. Jh.  / Palästina

Jesus verkündet die Bergpredigt, welche wie die Gemeinschaftsregeln der
Essener auf dem mosaischen Gesetz basiert. In einer Zeit, wo Griechisch die
Verwaltungssprache wurde und die Besatzer massenhaft ihre repräsentativen
Bauten und sogar ganze Städte wie Sepphoris und Tiberias bauen, ist die
aramäische Kultur der Dörfer, ihre Traditionen, ihr Selbstbewusstsein
und ihre Souveränität in Frage gestellt. Jesus erinnert sie an ihre ihre Wurzeln.

Es geht eine tiefe Kluft durch die Gesellschaft, da manche mit dem System auf
Kosten des Volkes kollaborieren, vor allem die Geistlichkeit. Diese Enttäuschung
und Wut soll nach Jesus nicht zur gegenseitigen Selbstzerfleischung führen,
er wirkt heilend, ruft zum Verzeihen, ja sogar zur Feindesliebe auf.

Wahrscheinlich benutzte die Geistlichkeit auch damals schon salbungsvolle
Worte, um ihre Heuchelei und ihren Wucher zu kaschieren. Jesus benutzt
knallharte Worte und wendet sogar Gewalt gegen die Tempel-Bank an.

Die Synagogen zur Zeit Jesu waren keine “Kirchengebäude“ sondern
öffentliche Versammlungsplätze, wo das Religiöse seinen Platz hatte, aber
eben auch die Organisation der “weltlichen“ Angelegenheiten. Jesus besuchte
die verschiedenen Dorfversammlungen und gründete echte Gemeinschaften.
Er schickte seine Jünger zu zweit aus, so wie er zu heilen, predigen und
Austreibungen zu bewirken. Das Stärken des Einzelnen durch seine Aktivisten
und vorallem die Gemeinschaftsbildung waren seine Hauptschwerpunkte.

Neben der Tempelsteuer und dem Zehnten für die Priester müssen die
Menschen ihr Geld bzw. ihre Produkte auch für die römischen Abgaben
geben. Verschuldung und Hunger waren die Folge. Jesus linderte die aktuelle Not
mit großen Speisungen. Er forderte auf, sich gegenseitig die Schulden zu vergeben
und machte Mut, dass dieses Unterdrückungssystem samt Tempel bald der
Geschichte angehöre und sodann ein Reich nach Gottes Geboten komme.
Ob er für einen Steuerboykott eintrat, ist umstritten., da er sich nicht in
offene Opposition zu den Römern begeben durfte.

Jesus setzte sich für Gewaltfreiheit ein. Wenn ein Soldat dich zwingt, sein Gepäck
zu tragen, geh mit ihm die doppelte Strecke. Eine Provokation für die Zeloten,
zu denen er Kontakt hatte und die ebenso wie ehemalige Kollaborateure
teilweise auch in seiner Volksbewegung waren.

Und doch stand eine militärische Niederschlagung bevor. Es war usus, dass
das Römische Reich Unruheprovinzen gewaltsam befriedet. Deshalb ließ sich
Jesus als Aufwiegler freiwillig den Römern ausliefern. Er starb für sein Volk. Das
Kreuz war ein politisches Hinrichtungsinstrument und links und rechts ihm
zur Seite hingen Freiheitskämpfer oder Terroristen, je nach Perspektive.

Nach Ostern gediehen die Gemeinschaften. Man wurde unabhängiger vom Geld.
Der Heilige Geist war in Bewegung, das Reich Gottes breite sich netzwerkartig
aus.  Der Einzelne wurde gestärkt.

Doch ach: Die militanten Freiheitskämpfer „schafften es“, dass die Römer
doch noch miitärisch eingriffen. Und ein weiteres Ach: Das Römische Reich
korrumpierte viele Christen und wandelte so die Widerstandsbewegung
in eine systemstabilisierende Religion.

Können wir im 21. Jh. dem politischen Jesus nachfolgen?
Seine Werte und Prinzipien wieder zum Leben erwecken?
Es nochmal Ostern werden lassen?

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Das neue Jahr bietet Dir vieles an.

 

Was wirst Du Dir nehmen, liebe Leserin, lieber Leser? Und warum?

 

 

Vor einigen Jahren, im Mai 2010, nahm ich an einem fünftägigen Seminar teil, bei
dem es um die spirituelle Bedeutung von Geld ging. Eine Übung, die wir machten,
bestand darin, dass die Seminarleiter eine Glasschüssel mit Geld vorne hinstellten.
In dieser Schüssel befanden sich 4000 € in zerknitterten Scheinen. Dadurch, dass
die Scheine zerknittert waren, füllten sie die ganze Schüssel. Es sah aus wie ein
Salat aus Geld. Das Geld verschenkten sie.

Die Übung bestand darin, dass man freiwillig vortreten konnte, um Geld aus der
Schüssel zu nehmen. Die einzige Bedingung war, dass man offen sagte, wie viel
und wofür man das Geld haben möchte. Außerdem hatten die beiden Seminarleiter
sowie alle Anwesenden das Recht zu sagen, ob das okay sei. Es zeigte sich im
Laufe der Übung – die insgesamt drei Stunden dauerte! – dass die Seminarteilnehmer,
ca. 70 Menschen, emotional und energetisch voll in ihre Prozesse kamen und jeder
sofort spüren konnte, welche Motive hinter dem Geldwunsch steckten und ob
dieser Betrag, den die jeweilige Person nehmen wollte, stimmte.

Es war erschütternd festzustellen, wie viel Schmerz und Scham mit diesem
Thema verbunden sind und wie tief das Thema Geld in die eigene Bedeutung als
Seele, als Person und als Mensch hineinragt. Es ist unmittelbar verbunden. Die
Menschen standen teilweise vorne und zitterten, weinten oder brachen zusammen,
wenn sie sich mit ihrem Wunsch zeigen mussten. Der Wert des Geldes war
unmittelbar mit ihrem Selbstwert verknüpft. Das Geld wurde tatsächlich verschenkt.
Es war kein Spiel und keine Simulation. Dadurch nahm die Übung einen sehr
existenziellen und ernsten Charakter an. Hier kamen alle Schatten hoch, die die
Menschen hatten, aber auch ihre reine Freude, wenn sie das Geld bekamen und sich
nun einen besonderen Wunsch, wie z.B. ein Kleid oder eine Reise erfüllen konnten.

In der Schüssel war ein 500-€-Schein, mehrere Hunderter, ansonsten
Fünfziger, Zwanziger und Zehner. Je kleiner der Schein, umso mehr Scheine
waren darin. Viele wollten so ca. 20-30 € haben. Sie sagten, sie wollten sich einen
kleinen Wunsch erfüllen, oder für ihre Kinder etwas kaufen oder Ähnliches. Ein
Mann wollte 100 €. Er war der Egoist in der Gruppe. Er ging nach vorne, brachte
seine Erklärung vor, die ziemlich selbstherrlich war, und nahm sich Geld aus
der Schüssel. Niemand der Anwesenden klatschte oder fühlte Zustimmung.
Es herrschte ein betretenes Schweigen im Raum, als er sich das Geld nahm.
Die Seminarleiter, die in der Regel ihr Feedback gaben, sagten nichts. Am Ende
der Übung, zwei Stunden später, trat dieser Teilnehmer jedoch vor und sagte, dass
er sich sehr schlecht fühle und das Geld zurückgeben möchte. Er hatte seine
egoistische Haltung erkannt und erklärte, dass er es getan habe, weil er
seinem Sohn gegenüber den starken Mann markieren wollte. Er fühlte aber
jetzt, dass es nicht stimmig war. Nachdem er Zeuge der anderen Prozesse
geworden war, bei denen die Menschen um ihren ehrlichen Wert gerungen
hatten, ging es ihm so schlecht, dass er es nicht mehr aushalten konnte.
Er musste das Geld zurückgeben – das war ihm ein dringendes Bedürfnis
und er entschuldigte sich vor der versammelten Gruppe.

Der 500-€-Schein lag sehr, sehr lange in der Schüssel und niemand traute
sich, ihn zu nehmen. Irgendwann trat eine Frau vor. Sie erklärte, dass sie
als Kind nie Taschengeld bekommen hatte, aber von ihrem Vater für kleine
Arbeiten bezahlt wurde und er ihr die Groschen in einer mahnenden Weise
vorgezählt hatte, was sie sehr beschämte und erniedrigte. Sie wollte Geld
nehmen, einfach um mal etwas zu bekommen, ohne dafür etwas leisten zu
müssen. Der Seminarleiter fragte sie, wie viel sie denn nehmen wolle. Es wurde
deutlich, dass es hier um ihren Selbstwert ging, der in ihrer Kindheit schon verletzt
worden war. Sie war sehr unsicher und hatte Tränen in den Augen. Sie zögerte und
traute sich nicht an die Schüssel zu treten. Der Seminarleiter musste sie mehrfach
auffordern, aber sie konnte keinen Betrag nennen. Schließlich musste sie sich
direkt vor die Schüssel stellen und nahm schließlich einen 20-€-Schein. Alle im
Raum waren sehr betroffen. Waren es 20 €, die sie sich wert war? Hatte sie so
viel Angst und Scham, sich mehr zu nehmen, wenigstens 50 € oder vielleicht 70 €?
Sie zitterte und weinte. Der Seminarleiter trat zu ihr, nahm sie in die Arme, griff
in die Schüssel und gab ihr den 500-€-Schein. Da brach sie zusammen. In dieser
Geste verdichtete sich das ganze Leiden ihres Lebens, die Erniedrigung als
kleines Kind und ihr Leben als Frau, die nie die Chance hatte, Selbstwert
zu entwickeln. Es war wirklich bestürzend, welche Kraft das Geld
hatte und wie stark es in den Selbstwert eingriff.

Es gab viele dieser erschütternden Begebenheiten. Es wurde klar,
dass jeder mit diesem Vortreten und Nehmen des Geldes seinen eigenen
persönlichen Wert erklären musste und direkt an seinen Schatten kam.
Er musste für seine Vision, seine Werte und seine Bedürfnisse geradestehen,
und alle diese Gefühle von Scham, Angst und Schmerz kamen hoch.

(…)

Quelle

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Weihenacht in mir?

 

Im Matthäusevangelium fanden
Astronome mit Beobachtung und Wissen das Jesusbaby.
Mit welchen Hilfsmitteln kann ich das göttliche Kind in mir finden?

Die Wissenschaftler aus dem Zweistromland brachtem dem Kind
ihr Wertvollstes: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Inwieweit achte ich meinen göttlichen Kern?

Gott wurde Mensch, welcher sofort bedroht war, ermordet zu werden.
Versuche auch ich nicht allzu oft, Gott in mir zum Schweigen zu bringen?

Jesus begann als Flüchtling in Ägypten.
Verdränge ich nicht auch mein Inneres Kind?

Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium
ist eine völlig andere, doch die in mir auftauchenden
Fragen sind ähnlich. Maria und Josef waren auf dem Weg nach
Bethlehem,um von sich eine Adresskartei anfertigen zu lassen,
damit sie effektiver besteuert werden konnten
.
Nehme ich mir nicht allzu oft selbst einiges meiner Lebensenergie weg?

Es gab kein Zimmer zum Gebären.
Mache ich nicht auch die Gottesgeburt in mir schwer?

Die Hirten vernahmen den Engel, verließen ihre Schafe und
fanden das Baby, den verheißenen Freudenbringer.
In meinem Leben hat es nicht an Engeln gemangelt.
Werde ich der-der-ich-bin
oder verbleibe ich bei den Rudeltieren?

Die Hirten waren voller Freude und priesen Gott.
Werde auch ich Gottes Freude ausdrücken?

 

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 Wäre Christus tausend Mal in Bethlehem geboren und nicht in dir:
Du bliebest dennoch ewiglich verloren.

Angelus Silesius 

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Warum lebe ich?

Dies, liebe Freundin, fragst Du Dich. Dabei bist Du überzeugte Christin,
doch scheinst Du die für Dich nötigen Antworten in Deiner Gemeinde
nicht zu erhalten. Du siehst die Gefahr, dass Du weitere 10 Jahre nicht
vom Fleck kommst und Deine Zeit nur noch ablebst.

Mit Hilfe dieses Vortrags möchte ich versuchen, auf Deine Frage einzugehen.

Der Start meiner Reise
Kann ich meine Jetzt-Situation wahrnehmen oder verdränge ich sie?

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Das Ziel meiner Reise
Was hat Gott in mein Wesen gelegt? Wohin möchte ich?

Mein Weg
Wenn ich mir über Start und Ziel halbwegs im Klaren bin, kann
ich Schritte in diese Richtung unternehmen.

Meine Hindernisse
Manchmal falle ich. Stolpere öfters. Komme nicht weiter. Was
blockiert mich? Es können auch Glaubenssätze sein. Sollte der
Weg allein zu anstrengend sein, kann ich mir für eine Teilstrecke
einen Reisebegleiter suchen – der mich durchschaut …

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Der Lohn der Reise
Ausdauer und Mut lohnen sich, denn ich mache Fortschritte. Gehe
ich meinen Weg, werde ich authentischer, komme mehr mit der
Essenz in mir in Kontakt, lebe zunehmend im JETZT. Dogmen und
Automatismen verlieren an Kraft, ich werde freier und unangepasster.
Je mehr ich mich mit mir rückverbinde (religio), desto mehr kann
Gottes Licht&Liebe durch mich fließen. Ich werde, der/die
ich bin und frage irgendwann gar nicht mehr nach dem Sinn …

Viele Grüße
Andreas


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Der Dieb beim Mystiker

„Ein Dieb schlich sich eines Nachts in die Hütte eines
Mystikers. Es war
gerade Vollmond und eigentlich
warer aus Versehen in diese Hütte
geraten.
ansonsten … was gibt es bei einem Mystiker
schon zu stehlen?
Der Dieb schaute sich um
und war überrascht, wie leer alles war. Plötzlich
sah er einen Mann,der mit einer Kerze in der Hand
daherkam. Der Mann
sagte: „Was suchst du hier im
Dunkeln? Warum hast du mich nicht geweckt?
Ich
habe nahe bei der Tür geschlafen und hätte dir
das ganze Haus zeigen
können.“ Und dabei
sah er so einfach und unschuldig aus, als
könnte er
sich überhaupt nicht vorstellen,
einen Dieb vor sich zu haben. Beim
Anblick
solcher Einfachheit und Unschuld sagte der Dieb:
„Weißt
du etwa nicht, dass ich ein Dieb bin?“

Der Mystiker meinte: „Das macht nichts, jeder muss
schließlich irgend etwas sein. Die Sache ist nur … ich lebe
seit
dreißig Jahren in diesem Haus, und ich habe noch nie
etwas gefunden.
Wir können ja zusammen suchen! Und wenn
wir etwas finden, können wir
es uns teilen. Ich habe in diesem
Haus nichts gefunden, es ist leer.“ Der Dieb
bekam es mit
der Angst zu tun – der Mann schien etwas merkwürdig zu
sein,
Entweder ist er verrückt oder … wer weiß, was das
für ein Mann ist? Er
wollte davonrennen, außerdem
hatte er draußen noch ein paar Sachen
liegen
lassen, die er in anderen Häusern gestohlen hatte.

Der Mystiker besaß nur eine Decke – das war alles, was er
hatte – und die Nacht war kalt. Daher sagte er zu dem Dieb:
„Gehe so
nicht fort, beleidige mich nicht. Ich könnte es mir
nicht verzeihen, dass ein
armer Mann, der mitten in der Nacht
in mein Haus kommt, mit leeren Händen
wieder fortgehen müsste.
Hier, nimm diese Decke. Sie wird dir nützen,
denn draußen
ist es kalt. Ich bin im Haus, hier ist es wärmer.“

Und er legte dem Dieb die Decke um. Jetzt begann
der Dieb völlig
den Verstand zu verlieren! Er rief:
„Was tust du da? Ich bin doch ein Dieb!“

Der Mystiker antwortete: „Das macht nichts. Auf
dieser Welt muss jeder
irgendetwas sein, irgendetwas tun.
Du stiehlst vielleicht, aber was
macht das schon? – ein Beruf ist
ein Beruf. Hauptsache du
machst deine Sache gut, meinen
Segen hast du. Leiste gute
Arbeit und lass dich nicht
erwischen, sonst ergeht es dir schlecht.“

Der Dieb sagte: „Du bist merkwürdig.
Du bist nackt und hast gar nichts …“

Der Mystiker meinte: „Mach dir keine Sorgen,
ich komme mit dir! 
Mich hat nur die Decke noch
im Haus gehalten, ansonsten gibt
es hier nichts – und
die Decke hast du jetzt. Ich komme mit
dir mit, wir werden
zusammen leben! Und du scheinst viele
Dinge zu besitzen,
das wird eine gute Partnerschaft. Ich habe dir mein ganzes
Hab und Gut gegeben, du kannst mir etwas von
deinen
Sachen abgeben – das wäre gerecht.“ Der Dieb konnte
es nicht
glauben. Er wollte nur noch weglaufen
von diesem Haus und diesem Mann.
Er sagte:
„Nein, ich kann dich nicht mitnehmen. Ich habe
Frau und Kinder.
Und was werden die Nachbarn sagen,
wenn ich einen nackten Mann
mitbringe?“ Der Mystiker
sagte: „Du hast recht. Ich will dich nicht
in Verlegenheit
bringen. Geh nur, ich bleibe hier in diesem Haus.“
Als der Dieb fortging, rief ihm der Mystiker nach:
„He, komm
zurück!“ Der Dieb hatte noch nie eine so
kraftvolle Stimme
gehört, sie durchfuhr ihn wie ein Messer.
Er musste zurückgehen.
Der Mystiker sagte: „Du solltest
etwas Höflichkeit lernen. Ich habe
dir die Decke gegeben,
und du hast mir nicht einmal gedankt.
Bedanke dich
gefälligst zuerst – das wird dir später helfen.

Zweitens, wenn du weggehst, mach die Tür zu! Siehst
du denn nicht, dass es kalt ist und ich nackt bin? Dass
du ein Dieb bist, macht mir nichts aus, aber was Höflichkeit
angeht, da bin ich genau. Dieses Benehmen kann ich nicht
zulassen.
Sage danke!“ Und der Dieb musste danke sagen,
dann schloss er die Tür
und lief davon. Unglaublich,
was da geschehen war! Die ganze Nacht
lang konnte
er nicht schlafen. Immer wieder musste er daran

denken. Noch nie hatte er eine so starke Stimme gehört,
eine solche Kraft. Und dabei besaß der Mann nichts!

Am nächsten Tag erfuhr er, dass dieser Mann ein 
großer Meister war. Er hatte einen Fehler
begangen. Es war sehr hässlich von ihm,
bei diesem armen Mann einzudringen. Er
besaß nichts, aber er war ein großer Meister.

Der Dieb sagte: „Jetzt verstehe ich. Er ist ein sehr
merkwürdiger Mann. Ich habe in meinem Leben schon
viele
Menschen gesehen, von den ärmsten bis zu den reichsten,
aber
noch nie … wenn ich nur daran denke, läuft mir noch ein
Schauer
über den Rücken. Als er mich zurückrief, hätte ich
weglaufen können.
Ich war völlig frei, ich hätte meine
Sachen nehmen und weglaufen
können, aber ich
brachte es nicht fertig. In seiner Stimme

war etwas, das mich zu ihm zurückzog“.

Einige Monate später wurde der Dieb
festgenommen und
der Richter fragte ihn:
„Gibt es jemand in deiner
Nachbarschaft, der dich
kennt?“ Er antwortete: „Ja, einer
kennt mich“
– und er nannte den Namen des Meisters.

Der Richter sagte: „Das genügt – ruft den Meister her.
Seine
Stimme wiegt;soviel wie die von zehntausend anderen.
Was er
über dich sagt, reicht mir, um ein Urteil zu fällen.“
Der Richter fragte
den Meister. „Kennst du diesen Mann?“
Er sagte: „Ob ich ihn kenne? Wir
sind Partner! Er ist mein
Freund, einmal hat er mich sogar mitten in
der Nacht besucht.
Und weil es so kalt war, gab ich ihm meine
Decke. Er hat
sie um, siehst du? Diese Decke ist im ganzen
Land
bekannt, jeder weiß, dass sie mir gehört.“

Der Richter sagte: „Er ist dein Freund? Und er stiehlt
nicht?“ Der
Meister sagte: „Nie! Er kann gar nicht stehlen.
Er ist so ein Gentleman,
dass er sich bedankte, als ich ihm
die Decke gab. Und als er ging, schloss 
er vorsichtig die
Türe hinter sich. Er ist ein sehr höflicher, netter Bursche.“

Der Richter sagte: „Wenn du das sagst, dann sind die
Aussagen der
anderen Zeugen, die behaupten, er sei
ein Dieb, hinfällig. Er ist frei.“
Der Mystiker ging hinaus,
aber der Dieb folgte ihm. Der Mystiker
sagte zu ihm:
„Was soll das? Warum kommst du mir nach?“

Er antwortete: „Ich kann dich jetzt nie mehr verlassen.
Du hast mich deinen Freund genannt, deinen Partner. Niemand
hat mir jemals solchen Respekt erwiesen. Du bist der erste Mensch,
der gesagt hat, ich sei ein Gentleman, ein netter Mensch.
Ich werde zu deinen Füßen sitzen und lernen“

Quelle:
Beyond Psychology, #37
Osho Foundation International

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Hallo Ronald  
Zum Geburtstag schicke ich Dir einen Link -> zum Alter <-  ,
bei dem Du auch obige Geschichte finden kannst. 
Happy birthday!
Dein Andreas